Interesse an Bildung einer Interessengruppe BC 365

14. April 2026 14:46

Moin,

wir sind nun mit Dynamics 365 Business Central seit dem 01.03.26 im Echtbetrieb, wurden allerdings im Vorfeld durch unseren Systempartner nicht ausreichend "auf das wirkliche Leben" mit dem System vorbereitet.
Entsprechend tauchen jetzt Schritt für Schritt Fragen und Probleme auf nach dem Motto: "das muss doch irgendjemand anders und besser lösen".
Unser Systemhaus ist hier nicht wirklich nah an der Realität.

Deswegen würde ich gerne eine Art "Selbsthilfegruppe" mit anderen BC Usern ins Leben rufen, in der man mal fragen kann, wie andere Unternehmen etwas umsetzen in BC.
Vielleicht ergibt sich daraus ein reger Austausch, in dem man von anderen lernen und sein Probleme lösen und andererseits vielleicht anderen mit seinen eigenen vorhandenen Lösungen helfen kann.

Bei Interesse hier einfach kommentieren und ich würde ab mindestens 3 weiteren Interessenten ein erstes TEAMS Meeting organisieren.

Re: Interesse an Bildung einer Interessengruppe BC 365

15. April 2026 08:11

JKoppelmann hat geschrieben:Vorfeld durch unseren Systempartner nicht ausreichend "auf das wirkliche Leben" mit dem System vorbereitet.


ich finde das schon eine gewagte Aussage. Auch die Leute bei den Partnern sind nur Menschen und können auch dementsprechend beratend zur Seite stehen, wenn die genauen Anforderungen bekannt sind.
Wenn jetzt erst die großen Fragen und Probleme auftauchen, frage ich mich, warum der GoLive stattgefunden hat? Vermutlich doch, weil man dachte, man wäre soweit, oder?

Grundsätzlich finde ich die Idee einer Interessensgruppe nicht verkehrt, wobei ich anmerken möchte, dass wir hierzu ja auch diverse Foren (darunter auch dieses hier :lol: ) haben.

Re: Interesse an Bildung einer Interessengruppe BC 365

15. April 2026 10:51

Hallo,

es sind immer wieder die gleichen Probleme.

  • Anforderung: Wir wollen "Standardsoftware". Das Problem ist nur, es gibt keine DIN oder ISO-Norm für Software (zumindest nicht für den Funktionsumfang). D.h. da eigentlich nötige "Spezialwerkzeug" wird nicht implementiert, weil es ja kostet, und beim nächsten Update Probleme bereitet. Das führt dann dazu das Dinge nicht rund und fehlerfrei laufen. Diese Kosten übersteigen dann die Kosten für die Anpassung meist um ein vielfaches, aber das sieht dann keiner. Außerdem führt das zu Streitereien, das Funktionalitäten nicht vorhanden sind, die der Kunde als "Standard" voraussetzt. O-Ton Kunde: "Sie müssen doch wissen wie das funktioniert, sie bieten doch eine Branchensoftware an".-> Eben weil wir eine Branchensoftware anbieten, und die Branche kennen, wissen wir, das jeder Kunde seinen eigenen "Standard" hat, und eigene Prozesse definiert, die man im Zweifel für Ihn implementieren (können) muss, damit es rund läuft.
  • Der Kunde geht davon aus, das die neue Software alles und genauso kann und macht wie die alte, schreibt auch keine Anforderung dazu, und wundert sich dann, wenn lieb gewonnene (oder auch zwingend benötigte) Dinge nicht mehr (so) funktionieren.
  • Bei der Auftragsvergabe/Softwareauswahl unterhalten sich nicht die Leute, die damit arbeiten (müssen), sondern diejenigen, die sich von bunten Bildchen beeindrucken lassen, bzw. nichts anderes zeigen können.
  • Der Kunde ist sich über seine Prozesse nicht im geringsten im Klaren. D.h. die Anwender wissen überhaupt nicht was sie da tun, und welche Daten von wo benötigt werden, bzw. wohin geschickt werden, damit das Ganze funktioniert. Das führt dann dazu, dass der Softwarepartner gar nicht weiß, was er zu tun hat, bzw. von falschen Voraussetzungen ausgeht. Wenn dann auch noch ein zwar rhetorisch versierter Projektleiter vor Ort ist, der aber die abzubildenden Prozesse nicht versteht bzw. sich gar nicht damit auseinandersetzt, ist das Chaos vorprogrammiert.
  • Der Kunde glaubt, das man eine ERP- Software genauso einfach einrichten und betreiben kann, wie das installieren einer App auf dem Handy. -> Nein, dem ist nicht so, auch wenn (wir) die Softwarehersteller, das gerne suggerieren.
  • Dann gibt es da auch noch den Vertriebler, der um die Probleme weiß, aber Dinge nicht anspricht, weil daraus einen Zusatzertrag generieren möchte, weil der Kunde hat es ja nicht als Anforderung definiert.

Grundsätzlich kann man solche Probleme vermeiden, wenn man sich im klaren ist,dass:
  • Jedes Handwerk (auch die Anwendung der ERP-Software ist ein Handwerk) Spezialwerkzeug erfordert. Jeder Elektriker, Maurer, Schmied hat Unmengen an speziellem Werkzeug (nicht nur einen 5kg- Hammer), und nicht alles sind Nägel. Das ist bei einer ERP-Software nicht anders. Man muss sich nur überlegen, ob man ein Spezialwerkzeug für 1000e € benötigt, das man einmal im Jahr braucht, oder ob man dieses Werkzeug 100 mal am Tag benötigt, und damit 50% der Zeit spart. Daher sollte man sich nötige Anpassungen nicht durch das Dogma "Standardsoftware" verbieten.
  • Man kann eine Software nur richtig einrichten, und betreiben, wenn man um die Prozesse weiß, die in einer Firma ablaufen. Das ist eines der größten Themen. Ich unterscheide eigentlich drei Kathegorien: "Tastendrücker" und "Anwender" und diejenigen, die genau wissen wie Dinge funktionieren sollen, aber selbst nicht in der Lage sind es zu tun.
    Die "Tastendrücker" wissen nur, in welchem Feld Sie welchen Wert eintragen müssen, und welche Taste dann gedrückt werden muss. Diese Leute sind meist schon überfordert, wenn es bei einem Update zu Feldverschiebungen kommt. Diese Fraktion ist in zweierlei Hinsicht ein Thema:
    1. Bei einer neuen Software oder einem Update von NAV nach BC köne diese Benutzer nur sehr schwer erklären "was sie tun". Einem Berater kann/wird es sehr schwer fallen aus deren Tätigkeit Prozesse abzuleiten, bzw. sich Prozesse erklären zu lassen.
    2. Bei der Einführung der neuen Software fällt es diesen Anwendern erfahrungsgemäß schwer, sich umzustellen. Hier ist dann mehr Aufwand nötig.
    Die zweite Fraktion sind die "Anwender". Sie wissen eigentlich was tun (wollen/müssen) und fragen nur: "Was muss ich tun wenn ich dieses und jenes tun will". Von diesen kann man sich als Berater am meisten erwarten. Diese Anwender können einem meistens auch die Prozesse erklären, und wissen auch was sie tun müssen damit die Firma funktioniert. :-D
    Die dritte Fraktion sind die leider in letzter Zeit immer häufiger anzutreffenden Anwender, die ganz genau wissen, wie Prozesse ablaufen sollen, was aber leider oft an der Praxis scheitert. :wink:
    Essenz: Man muss für ein Pflichtenheft, die richtigen Anwender finden. Das sind oft nicht diejenigen, die hinterher entscheiden. Dessen sollten sich die Entscheider bewusst sein (man sollte wissen, dass man nichts weiß)
  • Als Kunde sollte man nichts voraussetzen. D.h. Man muss einem Berater eigentlich seine Prozesse von Adam bis Eva erklären (können). Man kann dann hinterher immer noch entscheiden, ob man abkürzen kann, oder nicht. Meine Erfahrung zeigt eigentlich, das eigentlich die nicht "normalen" Prozesse Konzepte zum Einstürzen bringen. D.h. einen Auftrag anzulegen und die Ware zu versenden ist oft kein Problem. Die Abwicklung von Retouren aber oft schon. Deshalb konzentriere ich mich häufig auf Themen außerhalb von 90% der Tätigkeit.
    Das wird oft vergessen, weil es so selten vorkommt, und als Ziel ausgegeben wurde möglichst schnell zu Ergebnissen zu kommen, und man erst mal mir den einfachen Dingen anfängt. Dann aber später merkt, das die "Sonderlocken" einfacher funktionieren würden, wenn man sie am Anfang berücksichtigt hätte.

Re: Interesse an Bildung einer Interessengruppe BC 365

16. April 2026 14:18

Hallo,

vielen Dank für die beiden gut gemeinten Meinungsäußerungen, die ich gerne zur Kenntnis nehme, aber auch wie folgt kommentieren möchte:

1) Wenn das Systemhaus sich dazu entschließt, einem großen bekannten deutschen Unternehmen kurzfristig die volle Unterstützung anzubieten und die Supportleistung an uns erheblich verringert, ist das aus Kundensicht sehr ärgerlich
2) Wenn Berater aus dem Systemhaus gut gemeinte Tools installieren, die mit der Realität nichts zu tun haben und den Kunden auch dabei auch nicht abholt, ist das aus Kundesicht sehr ärgerlich
3) Wenn das Systemhaus Prozesse, die in deutschen Unternehmen gang und gebe sind (Kanban Systeme, Lieferanten Konsi-Lager...), nicht kennt, ist das aus Kundensicht sehr ärgerlich
4) Ich bin mir durchaus bewusst, dass bei einem Wechsel vom für den Kunden programmierten NAV zum Standard BC die Unternehmensprozesse und Abläufe im Unternehmen ebenso angepasst werden MÜSSEN. Da erwarte ich vom Systemhaus zuhören, analysieren und Lösungen anbieten wie es zukünftig funktionieren kann und nicht: ahh so macht ihr das, so geht das aber nicht mehr....

Deswegen wollte ich mich mit gerne mit anderen Kunden, die ebenfalls Prozessprobleme bei alltäglichen Standardabwicklungen haben gerne austauschen und sehen, ob jemand Lösungen hat, die einem weiterhelfen.....

Re: Interesse an Bildung einer Interessengruppe BC 365

16. April 2026 16:47

Hallo,

ich habe nur geschildert, wie ich es in realen Projekten erlebt habe und noch erlebe.

Was ihr also erlebt habt, ist das gleiche, nur mit vertauschten Rollen.

Das ich das anders verstehe, hast du hoffentlich auch raus gehört.

Meine Herangehensweise an ein Projekt ist für den Kunden aber u.U. sehr nervig, weil ich sehr "dumm" sein kann und überhaupt keine Ahnung habe.
Bei eurem Partner ist das u.U. genauso, nur das ich keine Angst habe "dumm" zu sein, und Fragen stelle.

Das kann für die Mitarbeiter sehr zeitraubend und nervig sein, weil sie sich endlich mal Gedanken darüber machen müssen, was sie in der Firma tun.
Außerdem frage ich die Leute, die nah an der Arbeit sind, und nicht die, die irgendwelche Ideen und Wunschvorstellungen haben.
Mit Letzterem haben einige Mitarbeiter dann aber auch Probleme, und torpedieren das Ganze.

Die Tendenz ist leider so, das nach Möglichkeit nur irgendwelche Apps aus dem App- Store installiert werden sollen, weil sich kein Partner mehr mit den Kundenanpassungen herum schlagen will, weil deren Pflegeaufwand durch die sehr kurzen BC- Update- Zyklen dafür sehr hoch ist. Dass diese App- Store- Apps oft nicht wirklich gut aufeinander abgestimmt sind, ist dann die Folge.

Euch bleibt nur die Möglichkeit, euch einen Partner zu suchen, der a) weiß, dass er nichts weiß, und b) euch einen möglichst großen Teil eurer Anforderungen aus eigener Hand erfüllen kann, weil besser abgestimmt.

Und Vorsicht vor den bunten Bildern, und den Leuten die darauf herein fallen.

Gruß Fiddi